© AACB, Foto: R.Vogler, Berner Alpenpanorama vom Niederhorn BE
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DAS (VORLÄUFIGE ?) WUNDER DES „ENGELHORN GRANITS“
-EINE GESCHICHTE IN 5 AKTEN -


HAUPTDARSTELLER
Bruno Scheller (BS) - Hüttenwart Engelhornhütte

Lukas Rohr (LR) - Junioren Tourenchef Sektion Bern SAC (Vorstandsmitglied)

Ueli Seemann (US) - Der Schreibende und pensionierter Geologe (Vorstandsmitglied AACB & SAC Bern)


AKT 1: In der Engelhornhütte - Herbst 2009
Während eines Saisonabschluss-Besuchs von US in der Engelhornhütte, berichtet BS über das vorjährige, erschreckende Steinschlagerlebnis. Laut BS hätten die damals herniedergedonnerten Felsbrocken, welche das Engelhorn-Hüttendach durchschlugen und mit einem Riesengetöse neben seinem Bett einschlugen, gewisse Fragen bei ihm aufkommen lassen, was da noch alles zu erwarten sei. In diesem Zusammenhang erinnerte er sich auch an seine Geländebeobachtungen, während des Kletterns hoch oben an den Engelhörnern. Unter den vielen Beobachtungen seien ihm immer wieder eigenartige Felspartien mit “gneissigem-granitischem„ Aussehen aufgefallen und in Erinnerung geblieben. Ob das wohl möglich sei und um welchen Granit es sich da handeln könnte, fragte er den Besucher US, ein pensionierter Geologe. Diese Frage erwischte den Geologen so ziemlich auf dem falschen Fuss - denn in seiner geologischen Welt passte ein Granit ganz einfach nicht in die Engelhörner. Für ihn wäre dies eine etwa vergleichbare Unmöglichkeit wie wenn man das Matterhorn mit dem Gurten bei Bern verwechseln würde. US tat dies BS auch unmissverständlich Kund und dachte über diese Geschichte würde sich bald möglichst der Mantel des Vergessens und Schweigens legen…………

AKT 2: In den Engelhörnern - Herbst 2013
LR ist am Klettern in den Engelhörnern und, wie BS dies zu pflegen scheint, schaut auch er sich noch ein bisschen in der Engelhorngegend herum und macht so seine Beobachtungen und dazu gehörigen überlegungen. Dabei fällt ihm zwischen dem Ulrichspitz und dem Gertrudspitz eine kleine Felsrippe auf, welche sich doch recht deutlich von den übrigen Gesteinen abhebt. LR mit einem scharfen Sinn für Naturbeobachtungen tat sich schwer mit der Interpretation dieser Beobachtung. Schliesslich entschied er sich - allerdings mit Zweifeln behaftet - die ungewöhnliche Rippe als „gneis- granitartiges“ Gestein anzusprechen.

AKT 3: In der Engelhornhütte - Herbst 2013
Zurück in der Engelhornhütte erzählte LR die Geschichte über den interessanten / eigenartigen Fund, welchen er an diesem Nachmittag oben in den Engelhörern machte an BS. Er dachte, dass BS als Hüttenwart über dieses eigenartige Gestein Auskunft geben könnte. BS hatte tatsächlich eine Antwort parat: ja, diese Felsrippe mit dem eigenartigen Gestein sei ihm persönlich bestens bekannt und viele Engelhornkletterer kämen regelmässig mit dieser interessanten Geschichte zurück in die Hütte. Er habe darüber vor 4 Jahren auch mit einem Geologen gesprochen. Dieser meinte jedoch, das sei absolut unmöglich! LR erkundigt sich bei BS nach dem Namen des Geologen. BSs Antwort - dieser Geologe war …… US!

AKT 4: Vorstandssitzung der Sektion Bern SAC - Oktober 2013
Am Nachsitzungs-Umtrunk entwickelt sich ein Gespräch zwischen LR und US über obige Geschichte. US fällt beinahe unter den Tisch vor überraschung und zeigt gewisse Anzeichen von ‚Geologischer Verunsicherung‘. Er verspricht jedoch gegenüber LR, sich ins Zeug zu legen und der Sache auf den Grund zu gehen

AKT 5: Untersuchung und Zwischenresultat - Oktober 2013
Nachdem sich einige Geologen-Hirni mit der Materie befasst hatten, kam man zu folgenden - zwischenzeitlichen - Folgerungen:

- Bei dem vermeintlichen „Engelhorngranit“ handelt es sich wahrscheinlich um eine begrenzte Zone von deutlich anders ausgebildeten Kalkgesteinen (also NICHT „Gneiss- Granitartige“ Gesteine) als der restliche, allergrösste Teil der Engelhörner*.

- Zur endgültigen Abklärung dieser Interpretation müsste allerdings eine entsprechende Gesteinsprobe detailliert untersucht werden.

FAZIT
• AUCH GEOLOGEN KöNNTEN SICH IRREN
• DAS „BUSCH - NACHRICHTEN - TELEFON“ FUNKTIONIERT AUCH IN DEN ALPEN
• „LAST BUT NOT LEAST“, DAS ERFREULICHSTE:
DIE HAUPTAKTEURE DIESER GESCHICHTE - EIN HüTTENWART UND EIN JUNIOREN TOURENCHEF UND BERGFüHRER - LEBEN UNS EIN WUNDERBARES BEISPIEL VON BERGGäNGERN VOR, WELCHE EIN OFFFENES AUGE FüR DIE NATURSCHöNHEITEN UND DEREN BESONDERHEITEN HABEN UND SICH DABEI SO IHRE GEDANKEN MACHEN.

* Der Grossteil der Engelhörner besteht aus massiven, weit verbreiteten Hochgebirgs- („Malm“) Kalken - wie dies beispielsweise auch für die Eigernordwand zutrifft.

 







Bild: © Monique Walter, Bern
Engelhörner mit Hütte, Flugaufnahme: © M.Walter







Bild: © Lukas Rohr Dolomitische Breccie (?) Mittelhorngruppe; Bild: © L.Rohr




Fotoalben in der AACB Galerie:
Sanierung 2009-2010 Fotos © Madlene Perreten

Impressionen 2008 Fotos © Ruth Meyer


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Grafik: © Ueli Seemann, Bern
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