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Trekking- und Bergsteigerreise mit Monique Walter, Michèle Mérat, Jacqueline Nicolet, Christian Preiswerk und Manuel Vogler vom 18.10. – 15.11.2014

Nach den letzten und für alle etwas hektischen Tagen, alle gezeichnet von kurzen Nächten und wenig Schlaf beginnt unsere Reise mit einem Flug von Zürich via Istanbul nach Kathmandu. Die Fahrt ins Hotel gibt uns einen ersten Eindruck von dieser gwirbligen, lärmigen und Smog geplagten Stadt. Ein riesiges Gewusel von Leuten, Fahrzeugen aller Art auf den löchrigen Strassen, abenteuerliche Verkabelung der Stromversorgung, überall Marktstände und kleinste Läden, Staub und Lärm vom permanenten Gehupe der Autos und Roller prägen unser Bild dieser Stadt. Einen klimatischen und kulturellen Akklimatisationstag verbringen wir mit konzentriertem kulturellem Sightseeing, wir besuchen den Swayambhunath, die älteste buddhistische Stupa (Tempel) in Nepal, den Pashupatinath, die heiligste Hindu Tempelanlage in Nepal und fahren später nach Patan, eine wunderschöne mittelalterliche Stadt mit vielen kunstvoll gestalteten Gebäuden. Patan ist eine von drei Königsstädten, aus denen später Kathmandu als Hauptstadt hervorgegangen ist. Wir treffen unsere Mannschaft, (Galerie Bild 00) ein Dutzend Träger, drei Küchenleute und Dorjie, unseren Sirdar und verlassen gemeinsam mit einem Bus Kathmandu über die Hauptstrasse, die gegen Norden über den Himalaya nach China führt. Kurz nach Verlassen des Kathmandutales windet sich die Strasse kurvenreich den Berghängen entlang, wir durchfahren Reis- und Hirsefelder und auch immer wieder Wald. Je weiter wir in die Berge hinein fahren, desto steiler werden die Hänge und tiefer eingeschnitten die Flüsse. Nach dem Ort Charikot, wo wir auf eine schmale ungeteerte Strasse abbiegen, faszinieren uns die Reisterrassen in den steilen Bergflanken (Galerie Bild 01). Die Strasse ist in den letzten zwei Stunden der rund siebenstündigen Busfahrt schlecht und wir werden kräftig geschüttelt. Bei der kleinen Siedlung Chetchet in einem sehr engen Tal ist Endstation, wir freuen uns, in den nächsten Wochen zu Fuss unterwegs zu sein.

Unser Trekking beginnt auf einem bestens mit Treppen, Geländern und Platten ausgebautem Weg steil durch schattigen Wald hoch auf die Alpsiedlung Simiagon. (Galerie Bild 02) Die steile Alp ist terrassiert und mit einzelnen kleinen und einfachen Gehöften durchsetzt (Galerie Bild 03). Der Mais ist geerntet, die Hirse am Reifen und die Gerste am Spriessen. Es ist wunderschön, den Weg durch diese steilen Ackerflächen aufzusteigen, bei den typischen kleinen Häusern hat es auch immer Blumen und Fruchtbäume. Unser Aufstieg am Nachmittag ist steil und recht heiss, obschon wir häufig im Schatten des Waldes gehen. Der Wald hat etwas geheimnisvoll Märchenhaftes, es ist ein Rhododendronwald, im Schatten der hohen vermoosten Bäume wachsen Sträucher und Farne, Grillen zirpen intensiv und vereinzelt pfeifen Vögel (Galerie 04). Auf einer abgeernteten Terrasse auf einer kleinen Alp stellen wir zum ersten Mal unsere Zelte auf.
Nach einigen Stunden Aufstieg durch Urwald mit vielen umgestürzten Bäumen überschreiten wir den Daldung La Pass (3976m), der uns wegen herumziehendem Nebel nur wenig Aussicht bietet und steigen dann durch niedrigstämmigen, verschneiten Rhododendronwald, ein starker Gegensatz zum moosverhangenen, feuchten Wald auf der südlichen Aufstiegsseite, ins Rolwaling Tal ab. Der Talweg nach Beding und weiter zur Alpsiedlung Na ist bestens ausgebaut, im Stil eines gut gepflegten schweizerischen Bergwanderweges. Das wenig steile Gelände ist terrassiert und die Felder mit Steinmauern eingefasst. Auch hier in Na, auf 4200m, werden noch Kartoffeln angebaut. Eine dieser Terrassen dient uns als Zeltplatz und Ausgangspunkt für Bergbesteigungen auf beiden Talseiten.

Nach einem Akklimatisationstag machen wir uns mit reduzierter Trägermannschaft auf den Weg ins Basislager des Yalung Ri. Der Aufstieg auf den Gipfel (5630m) ist anstrengend, einerseits macht uns die Höhe zu schaffen, andererseits liegt hier etwa 30cm lockerer Schnee im Geröll und später auf dem Gletscher (Galerie Bild 07). Den Firngrat zum Gipfel zu erklimmen fordert uns alle sehr, hier müssen alle 'Beissen'. Wir bestaunen die imposanten Berge ringsum, die Kälte treibt uns bald zum Abstieg. Für den nächsten Tag steht eine Verschiebung unseres Lagers zum Ramdung Basecamp an, von wo aus wir den Ramdung (5930m) besteigen möchten.
Der steile Aufstieg durch verschneites Blockgelände erfordert alle Konzentration und ist anstrengend. Wir erreichen über eine Steilstufe ein Gletscherplateau, von wo aus wir ein erstes Mal volle Sicht auf unser Tagesziel, den Ramdung haben. Ein wunderschöner vergletscherter Berg (Galerie Bild 08). Uns ist sofort klar, dass wir diesen Berg bei den gegebenen winterlichen Bedingungen und ohne Spur, Skier oder Schneeschuhe nicht erreichen können. Wir entscheiden uns für einen unbedeutenden aber recht markanten Gipfel in unserer Nähe (5755m) (Galerie Bild 09). Zuerst überwinden wir eine steile Firnflanke, wobei Steigeisen und Pickel voll zum Einsatz kommen, dann erreichen wir in schöner, einfacher Kletterei den Gipfel. Wir sind mit dieser Alternative sehr zufrieden, die Aussicht ist grossartig, gegen Süden blicken wir auf ein Nebelmeer, gegen Westen haben wir einen weiten Blick auf unzählige, zum Teil markante und sehr hohe Gipfel der Himalayakette, im Osten sehen wir direkt in die abweisend Nordwand des Chukima Go, den wir als zusätzliches Ziel bei unserer Planung ins Auge gefasst haben, ihn aber in Anbetracht der winterlichen Bedingungen gleich aus unserem Programm streichen. Zurück in Na verbringen wir nach 4 Tagen über 5000m wieder einmal eine etwas wärmere Nacht. Wir steigen am nächsten Tag ins Basecamp Richtung Checkigo auf, um dann weiter zum Melung La Pass (5616m) vorzustossen, und dort, nach einer Rekognoszierungstour, das High Camp zu errichten. Von diesem aus möchten wir einen Besteigungsversuch am Checkigo (6257m) wagen.
Mit im Gepäck haben wir die gesamte technische Bergausrüstung, Eiswerkzeuge, dann auch Kocher und Essen für zwei Nächte. Zu Dritt steigen wir von einem Camp auf 4900m durch eine vom Gletscher geschliffene Felslandschaft hoch bis wir an den Gletscherrand stossen. Wir steigen den Gletscher hoch und nach den ersten wenigen Hundert Metern beginnt anstrengende Spurarbeit. Der Schnee lieg knietief und meistens bricht man durch zwei gefrorene Schneeschichten durch. Wir erreichen ziemlich geschafft den Menung La Pass, ein alter Handelsweg zwischen Nepal und Tibet. Die Sicht vom Pass auf die chinesische Seite ist eindrücklich, hohe Berge, Gletscher und grosse Gletscherseen prägen das Bild. Wir machen ein Depot der hinaufgeschleppten Bergausrüstung, Kocher und Essen für ein bis zwei Tage und machen uns wieder auf den Rückweg. Mit schweren Rucksäcken steissen wir den am Vortag gespurten Weg nochmals. Auf dem Menung La Pass schaufeln wir im griessigen Schnee in einer weiten und mit Schnee gefüllten Gletscherspalte eine Fläche für unser Zelt frei und richten uns für eine kalte und windige Nacht ein (Galerie Bild 11). Manuel verzichtet auf einen Besteigungsversuch der sehr steilen, langen Firnwand zum Gipfel des Checkigo. Jacqueline verbringt eine schlechte Nacht und spürt die Höhe mit Kopfweh, Übelkeit und Müdigkeit. So verzichten wir bei beissender Kälte und zünftigem Wind bei Tagesanbruch auf die Besteigung dieses eindrücklichen Berges (Galerie Bild 12).

Zurück in Na starten wir an einem wunderschönen, klaren Morgen mit stahlblauem Himmel, Richtung Trashi Lapsa Pass ins Khumbu Gebiet. Wir schätzen es alle, dass unser nächstes Lager in nochmals in grüner Umgebung liegt. Die nächsten zwei Lager werden auf dem Gletscher in Höhen von etwa 4900m und 5600m liegen und sehr kalt werden.
Die wilde Gletscher-, Moränen- und Felslandschaft in die wir während zweier Tage vorstossen, beeindruckt uns alle und wir sind gespannt, wie der Trashi Lapsa Pass (5755m), den wir am nächsten Tag überschreiten werden, sein wird.
Zuerst geht es steil durch loses Geröll, dann auf Felsbändern hoch. Wir erkennen einen markanten Einschnitt in der hohen Bergkette südlich von uns und steigen dort steil durch Geröll und Schnee weitere 500 Höhenmeter auf. Wir sehen bei diesem Aufstieg auf die Aufstiegsroute auf den Pachermo (6273m), den wir für eine Besteigung vorgesehen haben. Über die Flanke, über die die Aufstiegsroute führt, fegt permanent ein sehr starker Wind, riesige Schneefahnen und Schneeverwehungen zeigen uns diese äusserst ungemütlichen Bedingungen an. Je näher wir dem Pass kommen, desto stärker fegt der Wind auch um uns (Galerie Bild 15). Etwa 100m unterhalb des Passes auf der östlichen Seite finden wir etwas Schutz am Fuss einer windgeschützten und leicht überhängenden Felswand und bauen unser Lager auf.

Wir schlafen in dieser Nacht kaum. Wahrscheinlich ist es die Schlafhöhe von 5700m, vielleicht auch der Wind, der am Zelt rüttelt, oder die Eiskörner, die auf das Zelt prasseln. Kurz nach 3 Uhr starten wir in die Vollmondnacht. Es ist bitter kalt und es weht schon bei unserem geschützten Lagerplatz ein böiger und bissiger Wind. Je näher wir der Trashi Lapsa Passhöhe kommen, desto unerbittlicher und stärker bläst er und jagt uns Eiskristalle ins Gesicht. Der Aufstieg über die Flanke ist sehr steil, wir steigen in den Frontzacken unserer Steigeisen hoch und rammen die Pickel in den harten Firn. Die Sicht ist trotz Mondlicht und Stirnlampe wegen der eingeblasenen Eiskörner schlecht. Wir steigen unangeseilt und ohne Pause die ersten Aufschwünge dieser windgepeitschten Flanke hoch. Der Gipfelgrat ist exponiert, er fordert unsere letzten Kräfte. Pickel und Stock helfen uns im böigen Wind das Gleichgewicht zu halten. Dann stehen wir auf dem Gipfel und umarmen uns glücklich, der exponierte Gipfel bietet knapp Platz für uns, auf allen Seiten geht es steil in die Tiefe, die Westwand fällt praktisch senkrecht ins Rolwaling Tal ab (Galerie Bild 16). Nach wenigen Minuten geht die Sonne zwischen den vielen Gipfeln im Osten auf und taucht die Ostflanken der Berge in goldenes Licht. Die Aussicht ist gewaltig, gegen Osten ragt der Mount Everest aus den vielen anderen imposanten Bergen heraus. Bald machen uns bald an den Abstieg. Auf der ganzen Strecke werden wir weiterhin mit unverminderter Stärke vom eisigen Wind und dem Eishagel gepeitscht (Galerie Bild 17). Kurzer Halt im bereits abgebrochenen Lager, dann steigen wir auf einem ausgesetzten Weg über Felsbänder und durch eine eisige Rinne auf einen schuttbedeckten Gletscher ab, auf diesem während etwa zwei Stunden durch Geröll bis ins Tal, wo wir auf eine Alp treffen, auf der einige Yaks das wenige und trockene Gras weiden. Wir wandern auf gutem Weg talauswärts bis zu unserem Zeltlager auf einer abgeweideten, von Steinmauern umschlossenen Wiese.

Es folgt ein wunderschöner Wandertag durch das Thametal nach Namche Bazar. Ab dem Dorf Thame befinden wir uns in touristisch erschlossenem Gebiet, in den Dörfern hat es viele Lodges und auf unserem Weg kreuzen und überholen wir immer wieder Wanderer in Gruppen aus allen Herren Ländern. Kolonnen von Yaks, beladen mit Heu oder Säcken mit Gütern des täglichen Bedarfs verkehren auf diesem Weg den ganzen Tag (Galerie Bild 18). Als wir Namche Bazar, dem wichtigsten touristischen Ort im Khumbu-Everest Gebiet erreichen, sind wir alle etwas überrollt, wie schnell uns die zivilisierte, konsumorientierte Welt wieder zurück hat. Durch die schmalen Strassen des an einem steilen Hang gelegenen Ortes drängen sich Touristen wie in der Hochsaison in Interlaken, Dutzende von Souvenirläden säumen die Strassen. Diese Veränderung und auch der vorzeitige Abmarsch unserer Mannschaft zurück nach Kathmandu ist für uns ein deutliches Zeichen, dass nun unsere Heimreise beginnt.
Unser Ruhetag in Namche Bazar beginnt mit einem oder zwei guten Café Latte, frischen Brötchen und Gebäck aus der nahen Bakery und besteht aus einer Wanderung auf eine Anhöhe, von wo wir eine grossartige Aussicht auf Everest, Lhotse, Ama Dablam und das Khumbutal haben und endet mit einem Znacht mit Yakfleisch, Pommes und frischem Reis- und Hirsebier.
Die schöne, rund 7-stündige Wanderstrecke nach Lukla teilen wir mit sehr vielen Touristen, Träger- und Yakkolonnen. Ein toller Flug über die bergige Landschaft bringt uns nach Kathmandu, wo wir uns noch einen Tag lang auf unsere Heimkehr einstellen können.
Für diesen letzten Tag haben wir den gemeinsamen Besuch der grossen Buddha Stupa in Bodnath, etwa 8km vom Stadtzentrum entfernt, vorgesehen (Galerie Bild 19). Den Rest des Tages verbringen wir nach individuellen Bedürfnissen, diese liegen zwischen Einkaufstour im Touristenviertel Thamel und Massage im Wellnessstudio.
Auf unserem Rückflug nach Zürich sehen wir die Himalayakette in voller Länge. Wir glauben das Annapurnagebiet und das Daulaghiri Massiv gut zu erkennen, auch den Übergang vom Himalaya in die Kette des Karakorum und später in den Hindukush. Schnee in den wüstenartigen Berggebieten in Afghanistan und Iran deuten uns an, dass auch in der Schweiz der Winter beginnt.

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Das Team

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Reis- Hirseterassen

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Alpsiedlung in Simiagon

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Gesamte Trekkinstrechek von West nach Ost

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Märchenhafter Nadel- Rhododendron-Wald, Aufstieg Daldung La

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Yalung Ri von Osten

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Ramdung - unser ursprüngliches Gipfelziel

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Das Ausweichziel

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Unser Camp Nung La

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Geplante Aufstiegsvarianten Checkigo

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Orkanartiger Wind auf dem Trashi Lapsa

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Sonnenaufgang am Patchermo

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Dichter Verkehr zwischen Namche Bazar und Lukla


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Stupa Bodnath

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