© AACB, Foto: R.Vogler, Berner Alpenpanorama vom Niederhorn BE
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Spitzkoppe und Pontoks Foto: © Marcel Spinnler


Spitzkoppe 1'728m, Namibia

Die Spitzkoppe ist ein Inselberg 120 km östlich von Swakopmund in Namibia, der seine Umgebung 700 Meter überragt. Aufgrund ihrer markanten Form wird sie auch als das „Matterhorn Namibias“ bezeichnet und gehört zu den meist fotografierten, aber nicht oft bestiegenen, Bergen des Landes.

Wir machen uns auf Richtung Spitzkoppe, einem richtigen Berg, das Matterhorn Namibias. Wir haben uns mit Hasso Gantze verabredet. Hasso ist ein 1998 ausgewanderter Ossie, der in Namibia unzählige Routen eröffnet hat und die Spitzkoppe wie seine Westentasche kennt.

Technisch ist dieser Berg nicht allzu schwierig, aber es ist nicht ganz einfach, den Weg durch riesige Granitbrocken und unzählige Kamine zu finden.
Vorerst fügen wir noch eine Trainingswoche «Kletterferien» im Erongogebirge ein. Dieses Gebirge bietet unzählige Möglichkeiten in bestem Granit klassische Routen und auch einige gebohrte zu klettern. Es klingt hier wegen der Paviane wie im Urwald, sieht aber aus wie im Tessin, nur grösser. Nach dieser Woche kaufe ich mir noch ein Riesen-Kudusteak von der Farm und damit geht es nun zur Spitzkoppe.
Wir sind etwas beunruhigt, ob wir die Schwierigkeiten der Route meistern werden. Hasso beschwichtigt uns am Nachmittag vor unserer Tour mit einer wunderschönen Reibungskletterei und einer knorzigen Riss-Erstbegehung auf einen Felsturm. Bei Einbruch der Dunkelheit sind wir zurück bei der Campsite.

Es ist zum ersten Mal auch abends angenehm warm. Wir sitzen gemütlich bei der obligaten Pasta und dem Kudusteak bis 22 Uhr vor dem Lagerfeuer (in Namibia wird es im Winter um 18 Uhr blitzschnell dunkel). Morgens um 5 Uhr kriechen wir aus den Zelten. Es ist immer noch warm und windstill, Topbedingungen.

Die ersten 350 Höhenmeter krabbeln wir über Felsblöcke hoch. Das ist anstrengend aber unproblematisch. Dann machen wir ein Rucksackdepot und es geht vom Krabbeln in Klettern über.
Und dann kommen diese Kamine. Das bin ich mir gar nicht gewohnt, funktioniert aber erstaunlich gut. Die engen Kamine, und davon gibt es viele, machen mir allerdings keine Freude. Da sind Körperrisse, in die man sich richtig hineinzwängen muss. Und dann murksen und schieben und stossen. Einatmen, damit ich festklemme und nicht runterfalle, dann wieder ausatmen und von neuem schieben und murksen. Eine richtige Plackerei. Ich glaube, jetzt weiss ich erst was steissen heisst. «Richtiges» klettern gibt es wenig, nur 3-4 Stellen im 17. Grad (ca. eine 5b/c, vgl. dazu die Umrechnungstabelle unter „The Ewbank system” ).

Nach 6 Stunden noch ein richtiger Murks-ächz-Körperriss und dann haben wir es geschafft. Die Aussicht ist gewaltig! Der Gipfel der Spitzkoppe ist exponiert und erhebt sich einsam 700m aus einer endlosen pastellgrünen Steppengrasebene. Auch eindrücklich sind die Ruhe und die Einsamkeit. Laut Gipfelbuch sind wir in diesem Jahr erst die 9. Seilschaft hier oben und sogar die erste, die die «Prima Varianta » zum Normalweg geklettert ist. Der Abstieg mit eindrücklichen und luftigen Abseillängen dauert noch mal ein paar Stunden und um 16 Uhr sind wir zerschürft und zerschunden mit blauen Knien und Ellbogen, aber zufrieden und stolz zurück auf der Campsite.


Marcel Spinnler, Druckform Toffen          November 2011


Rechte ©
Alle Rechte der Fotos und des Textes sind bei Marcel Spinnler ausser die Foto "Spitzkoppe Flugaufnahme" bei Hasso Gantze

Verweise
Originalbericht von Marcel Spinnler, im AACB Jahresbericht 2011, © AACB
Spitzkoppe © wikipedia
Informationen von (©) Hasso Gantze, Detlev Reimann

Foto: © Marcel Spinnler   

Foto: © Marcel Spinnler   

Flugaufnahme Spitzkoppe Foto: © Hasso Gantze

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