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Eine Reise ins Herzen des Pamir

Tajikistan? Terroristen, Islamisten, Kommunisten, Bürgerkrieg, Behördenwillkür, Durchfall... viele unerfreuliche Vorurteile begegnen einem in Verbindung mit diesem Land. Auch nachdem allfällige Verwechslungen ausgeräumt und die Lage Tajikistans auf der geistigen Landkarte geklärt ist, wird das Verständnis nicht grösser, zumal wir unsere Reise "en famille" planen. Tadjikistan bildet die Südostgrenze der ehemaligen Sowjetunion und liegt zwischen Afghanistan im Süden und Kirgistan im Norden. Hand auf’s Herz: auch bei Dir, geneigter Leser, eine Weltgegend, die nicht gerade mit erholsamen Familienferien in Verbindung gebracht wird? Andererseits: Pamir, Hindukush, Alai... Mythische Gebirge, die ein Alpinistenherz höher schlagen lassen. Vielleicht – ich hoffe es – wird der Leser nach der Lektüre nachvollziehen können, warum wir unseren Entschluss zu diesem Experiment alles andere als bereuen. Tajikistan ist ein wunderbares Gebirgsland, Heimat von drei 7000ern, von zahllosen 5000 und 6000-ern, tiefen Tälern und menschenleeren, kargen Hochebenen. Von diesen Bergen – nicht vom Bergsteigen – handelt dieser Bericht, vor allem aber von den Menschen, denn unsere Reise ins Herzen des Pamirs führte uns vor allem zu den Menschen dort, und diese haben unsere Herzen fest berührt. Selten haben wir eine solch grosse und ehrliche Gastfreundschaft erlebt wie in den rauen Tälern des Pamir.

Spektakuläre Fahrt in den Pamir
Die Hauptstadt Dushanbe überrascht uns mit viel Grün, und einer eher unaufgeregten Mischung aus Orient, (bescheidenen) hauptstädtischen Prestigebauten und ein paar Relikte aus der Post-Sowjet Zeit. Nach ein paar Tagen Hitze-Adaption in der Innenhof-Oase bei unseren Freunden machen wir uns mit Respekt auf die lange Fahrt nach Khorog, dem Hauptort des Pamir. über 500 km Autofahrt in einem Willkürstaat, meist auf schlechten Schotterpisten, mit einem Kind - ob sich das wohl entspannt anlässt? Zur Entspannung trägt sicher bei, dass uns Odina, ein sympathischer Pamiri, den wir in der Schweiz kennen gelernt haben, begleitet, und auch zu unserem Fahrer fassen wir schnell Vertrauen. Wir leisten uns den Luxus eines „eigenen“ Wagens und unterteilen die Strecke in 2 Etappen. Das lohnt sich absolut, denn die Landschaft ist spektakulär und vielfältig, es wäre schade, Teile dieser Strecke bei Nacht zu fahren. Was sich auch lohnt, ist ein gutes Fahrzeug, denn der „Highway“ erhielte bei uns den Status eines drittklassigen Forstweges.


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Mit Singen, Kartenspielen, Bachquerungen und Begegnungen mit Geissenherden und Schlaglöchern wird die Fahrt auch für unserer Tochter Michèle, damals knapp 6 jährig, erstaunlich kurzweilig, und wenn man vorne sitzen darf, sieht die Welt sowieso anders aus. Ein erster Höhepunkt ist der Khaburabot Pass auf 3252 m ü.M. Die Schotterpiste ist das einzige Stück Zivilisation in dieser menschenleeren Gegend, im Hintergrund leuchten uns die ersten 4000er entgegen. Ob hier schon mal Bergsteiger unterwegs waren? Jedenfalls würde sich diese Kette auch für Skitouren anbieten, für diejenigen, die an einem schönen Wintermorgen im Diemtigtal ab und zu vom Trendsport-Koller eingeholt werden. Für uns geht’s vom Pass durch eine wilde Schlucht steil hinunter nach Qala-i-Khumb, an der Grenze zu Afghanistan, und nach der einzigen Nacht in einem richtigen Bett weiter immer dem Grenzfluss Panj entlang nach Khorog, dem Hauptort der Autonomen Region Gorno-Badakhshan.

Reisen mit Kindern – Langsamkeit ist Trumpf
Eine der Konzession an das Reisen mit Kindern ist sicher das gemächlichere Tempo. Für einmal kommt mir da die schlechte Reisevorbereitung entgegen: das Reiseprogramm wurde nicht schon zu Hause in der Planung reich befrachtet, sondern entscheidet sich fortlaufend, je nach Befindlichkeit. Immer wieder verbleiben wir ein paar Tage am selben Ort. So wird nun für ein paar Tage der Tapchan im Garten von Lalmo’s Homestay für Michèle zum Zentrum der Welt, Haustiere und Familienanschluss sind garantiert. Und auch die Verdauung (der Erwachsenen) schätzt diese Pausen, um sich auf die neuen Hygiene-Verhältnisse umzustellen. Dann brechen wir auf ins Bartang Tal, das längste der Täler, die den Pamir von Ost nach West durchreissen. Unser Ziel ist Basid, Odinas Heimatdorf, das etwa auf halber Strecke des Tales liegt. Mit einem guten 4x4 ist der wilde Ritt entlang dem braun schäumenden Bartang River gut zu bewältigen, die gigantischen Schutthalden, die vielen Felstrümmer und die wackligen Brücken lassen aber erahnen, wie ungemütlich es hier bei Hochwasser werden kann. (Kurz nach unserer Heimkehr erreichte uns die Nachricht, dass die Strasse auf viele Hundert Meter weggespült wurde und in Basid auch die Brücke und mehrere Häuser zerstört wurden.) In dieser kargen Fels- und Schuttlandschaft bieten die wenigen Bäume und einzelne grüne „Inseln“ auf den Schwemmkegeln der Seitenbäche wohltuende Erholung fürs Auge. Auf so einem Stück Schwemmland liegt auch Basid, unser Basislager für die nächste Zeit. Hier werden wir herzlich von Odinas Familie aufgenommen. Ohne Worte funktioniert die Kontaktaufnahme bei den Kindern. Fresbee, Memory, Schwarz Peter – low level-Kulturaustausch, ganz ohne staatlichen Strukturen, aber schnell wirksam. Auf kurzen Spaziergängen erkunden wir die umliegenden Weiler mit ihren sorgfältig gepflegten Gemüsegärten, schwankenden Fussgängerbrücken, mit ihren einfachen Lehmhäusern mit den Satelitenschüsseln auf dem Dach und dem zugehörigen haarsträubenden Kleinstkraftwerk – kaum zu glauben, dass wir hinten life die Fussball WM mitverfolgen können!

Trekking ins Val Devloch
Tajikistan ist ein wunderbares Trekkingland. Zwar gibt es keine Träger, dafür aber Esel, zumindest theoretisch. Verschiedentlich haben wir gehört, dass es nicht ganz einfach ist, Esel zu organisieren, und erst noch solche, die auch tatsächlich Gepäck zu tragen vermögen. Unser Gepäck besteht vor allem aus unserer Tochter. Wir haben ihr diese „Gehhilfe“ versprochen, um überhaupt ein solches einwöchiges Trekking mit vernünftigen Tagesetappen realisieren zu können. Wir sind also gespannt, ob es klappt – und werden, wie auch sonst auf unserer Reise, nicht enttäuscht. Wie abgemacht trudeln am nächsten Morgen tatsächlich zwei Esel ein, einer ist mit einem hölzernen Sattel ausgerüstet. Bequem sieht das nicht gerade aus. Doch für Michèle ist das egal, Hauptsache es schont die eigenen Beine. Und hoppla, schon nach den ersten paar Schritten nimmt Michèle’s Esel - wir nennen ihn Isidor - völlig unerwartet einen grossen Satz über einen Bewässerungskanal. Isidor ist offenbar wasserscheu. Michèle bleibt lässig oben und hat damit ihre Eseltaufe bestanden. Im Dorf vorne stossen dann noch unsere beiden Begleiter zu uns: Sheroz, der Englischlehrer und Nazar, der Donkeyman – zwei ganz feine Burschen, die uns richtig ans Herz wachsen werden. Zu Beginn beeindruckt vor allem die Kargheit des Val Devloch, mit seinen endlosen farbigen Geröllhalden, den gewaltigen Moränen und dem mit riesigen Blöcken durchsetzten Bachbett. Der erste Lagerplatz liegt aber unerwartet auf einer üppig grünen, schönen Alp, wie üblich auf einem Bachschuttkegel. Der Fels in der Umgebung hat sich auch zum besseren entwickelt, und die orangefarbenen Türme oberhalb des Lagerplatzes erinnern stark an den Salbit. Schon beginnts zu jucken in den Fingern, doch aus der Nähe schaut das ganze ziemlich kompakt aus. Kühne Platten und breite runde Risse. Ohne Friends, Hilti und eine gute Portion Mut ist da nichts zu machen. Ich steige noch ein wenig das Tal hoch, bis sich weit oben die schwarze Geröllhalde zu bewegen beginnt. Mit grossen Schritten springt ein junger Bursche zu Tal, seine grosse Geissenherde vor sich hertreibend. Salam Aleikum! Mehr können wir uns nicht sagen, aber er lacht, und beide sind wir wohl überrascht über diese Begegnung hier oben. Mich erinnert die Szene an Geissenpeter und es wird mir klar, warum wir Schweizer fast instinktmässig Sympathie empfinden für dieses Land. Nur Heidi fehlt noch! Vermutlich schütteln die Einheimischen genau wie bei uns vor 150 Jahren den Kopf, wenn da jemand von weit her kommt, um freiwillig in die Täler oder gar auf die Berge zu steigen. Sheroz erzählt, dass früher (das heisst hier meist zur Sowjet-Zeit) der leuchtend weisse Schneespitz im Talgrund ab und zu von Russen bestiegen wurde. Aber die flogen mit dem Helikopter ins Base Camp, hakten ihre struben Touren ab und hopp und ex waren sie wieder verschwunden. Seit dem Ende des Sowjetreiches sind Sheroz keine alpinistischen Aktivitäten mehr bekannt.

Von der Kunst, einen Fluss zu durchqueren
Am nächsten Tag lernten wir erste Variationen vom überqueren von Bächen kennen. Zum Anfang hiess es: alle über die Brücke – nachdem diese etwas verstärkt und repariert wurde. Die Brücke war nicht BfU-konform, aber mit mehr oder weniger sanfter Gewalt – der Esel wurde in die Zange genommen - schafften es auch unsere Vierbeiner. Die nächste Variante, immer noch morgens, bei tiefem Wasserstand, führte dann alle zu Fuss durch den Fluss. Mehr als ein mal fürchtete ich dabei um unser Gepäck, wenn ich zusah, wie der Esel mit seinen dünnen Beinchen und dem vielen Ballast bedrohlich schwankend im reissenden Wasser stand. Michèle durfte mal bei Nazar im Huckepack reiten, mal auf Isidor sitzen bleiben. Zu beiden hatte sie schnell Vertrauen gefasst. Als Luxusvariante für Fortgeschrittene wurde schliesslich auch uns die Flussdurchquerung auf dem Esel offeriert - wobei der seine Wasserscheu noch nicht verloren hatte und wir natürlich bei weitem nicht die selbe Autorität aufweisen wie unser Donkeyman. Prompt machte der Esel mitten im Fluss mal Pause – eine Szene wie aus dem Don Quichote-Film. Aber schliesslich behielt Galilei doch recht: und er bewegt sich doch! (Zur Abwechslung gäbe es auch noch die Variante Flussdurchquerung mit dem Auto, aber da kann euch Smen besser Auskunft geben.) Unser zweiter Lagerplatz war dann schlichtwegs ein Flecken wie aus dem Paradies, zumindest für Bergsteiger: ein grünes, ebenes Mätteli mit einer Rasenqualität wie fast im Stade de Suisse, durchflossen von kleinen Bächlein, und aus dem Zelt der Blick auf zwei Sechstausender, dass es einem schier den Atem verschlägt: eine regelmässige, gigantische Pyramide aus Fels und Eis, für uns der K2 Tajikistans. Von Süden offenbar schon bestiegen, aus dem Val Devloch auf jeden Fall eine knackige Herausforderung. Na ja, für’s nächste mal... Ein schütterer Steinpferch bot unseren Begleitern Unterschlupf, bald schon qualmt das Feuerchen für den obligaten Tee zwischen den Mauern, während wir mal wieder unseren Kocher vom Russ des tajikischen Superbenzins befreien. Später gesellen sich noch zwei Jäger dazu, ziemlich strube, wortkarge Kerle. Ihre Scheu vor dem Fotoapparat hatte wohl aber weniger mit ihrem Glauben zu tun als mit dem Umstand, dass die Jagd auf die Marco Polo Schafe bzw. ihre eindrucksvollen geringelten Hörner eigentlich verboten ist. Aber hier hinten ist der Wildhüter von den meisten Jägern ein Onkel...

Im Schlaraffenland
Am dritten Tag mussten wir dann zwei mal die Esel abladen, da der Weg abgerutscht und um einige grosse Blöcke herum nur schlecht passierbar war. Für die Esel (und auch uns) Gelegenheit für eine ausgiebige Pause. Auch Sheroz und Nazar hatten mittlerweile Uno spielen gelernt.
Heute fasziniert vor allem die Geologie: deren landschaftsgestaltende Kraft ist förmlich spürbar, die verschiedenfarbigen Murgang-Ablagerungen dokumentieren aufs schönste die verschiedenen Einzugsgebiete – ein offenes Lehrbuch für Geomorphologen. Wenig später stehen wir in einer schwarzglänzenden Geröllhalde, das dunkle Gestein ist von einem silbrigen Lack überzogen, der die Wärme wie ein Spiegel reflektiert, und einen wunderbaren Kontrast abgibt zu den wächtenbewehrten Gipfeln, die wie eine riesige Meringue unseren Pfad überragen. Bald öffnet sich das Tal wieder und gibt den Blick frei auf eine wunderschöne Eisburg, wie die Haslerrippe am Aletschhorn, mit dem Unterschied, dass hier die Route beginnt, wo das Aletschhorn aufhört. Hier, auf ca. 3900 m schlagen wir unser letztes Lager auf. Die Höhe macht uns überhaupt keine Probleme, offenbar war der Aufenthalt in Basid und der gemächliche Aufstieg eine gute Akklimatisation. Ich steige noch ein wenig höher, zum nächsten Talknick. So verlockend wie die zahlreichen 5000er wäre es auch, den Weiterweg zu erkunden, auf den Gletscher zu steigen und zu schauen, was sich hinter der nächsten Geländekante verbirgt. Der Standort wäre ideal, ein paar der umliegenden Gipfel zu versuchen. Allerdings sehen die felsigen Grate nicht ganz einfach aus. Gemäss den russischen Karten, die wir im Massstab 1:50'000 erhalten haben, sollte es auch möglich sein, von hier ins südlich gelegene Ghunt Valley zu gelangen, allerdings über Gletscher und Gelände, das definitiv nicht mehr eseltauglich ist. So ist hier an diesem wunderschönen Platz für uns Endstation. Nur ein Steinmann bleibt zurück, unvergessliche Eindrücke nehmen wir mit.

Eselrodeo
Am nächsten Morgen liegt ein Hauch Schnee auf dem Zelt. Wir nehmen uns wiederum drei Tage Zeit für den Rückweg, der wider Erwarten abwechslungsreich ist und ganz andere Perspektiven eröffnet. Kurz vor dem Lagerplatz wird unser Donkeyman nervös, er heisst Michèle absteigen und wählt einen unbequemen Weg, der weit von der im Aufstieg benützten Brücke weg führt. Bald sehen wir warum: Oberhalb des Lagerplatzes treibt sich eine Horde „wilder“ Esel herum, und diese verteidigen ihr Territorium ziemlich resolut. Da kann es schon passieren, dass ein Lastesel dann mal durchbrennt. Und tatsächlich liefern sich die beiden Eselgangs dann ein ziemlich spektakuläres Rodeo, und wir sind froh, dass wir Michèle und Gepäck abgeladen haben. Am letzten Trekkingtag kündigen die grünen Inseln der bewirtschafteten Alpen die Nähe des Bartang-Tals an. Auf Alp Devloch werden wir von der Hirtenfamilie zu reichlich frischem Yoghurt eingeladen, angesichts der rustikalen Zubereitung staunen wir trotz der mittlerweilen guten „Akklimatisation“, dass unsere Darmflora das so problemlos akzeptiert. Die Pamiri freuen sich über Besuch, ja sie sind stolz, Gäste bewirten zu dürfen und posieren auch gerne für ein Foto. Ich stelle mir vor, dass es bei uns in irgend einem Walliser Seitental vor 60, 70 Jahren ähnlich ausgesehen hat. Ob Gäste auch so offen und grosszügig empfangen worden sind? In Basid folgen dann diverse Einladungen zum Tee, bis wir wieder „zu Hause“ bei Odina ankommen. Nun haben wir 2 Tage Zeit zum Baden, Waschen und den nächsten Teil der Reise vorzubereiten, diesmal anstatt mit Vierbeinern mit einem 4x4 antiker russischer Baurart – nicht minder abenteuerlich, kaum schneller, aber ebenso zuverlässig. Der Abschied aus Basid ist emotional, die Zeit im Bartangtal bleibt uns unvergesslich, wir haben die Menschen im Herzen des Pamir ins Herz geschlossen.


Christian Preiswerk,     31. Mai 2011


Gut zu wissen

Lage:
Tajikistan ist die südlichste der ehemaligen Sowjet-Republiken und grenzt im Süden an Afghanistan, im Osten an China. Ein Grossteil des Landes ist gebirgig.
Reisezeit, Klima:
Ausgesprochen kontinental: heisse Sommer, kalte Winter. Der Niederschlag nimmt im Pamir von Westen nach Osten ab, das Hochplateau ist sehr trocken. Der Sommer ist in der Regel recht trocken und stabil, allerdings haben sich in den letzten Jahren die Niederschläge vermehrt bis in die Sommermonate erstreckt. Beste Trekkingzeit ist Spätsommer-Herbst, wie bei uns stabiler, aber kühler. Im Frühsommer können hohe Wasserstände u.U. die Querung von Flüssen erschweren. Hochwasser mit entsprechenden Schäden oder Unterbrüchen der Strassenverbindungen treten vor allem im Frühjahr häufig auf. Daher genügend Zeitreserve einplanen.
Visa:
Auf der Botschaft in Wien oder neuerdings Berlin per Post erhältlich, auch das GBAO – Permit. Das ist etwas teurer als vor Ort, erspart aber viel Behrödenärger. Bei Aufenthalt < 30 Tage ist auch keine Registrierung im Land nötig. Wir hatten keinerlei Probleme oder Schikanen wegen Bewilligungen etc. erlebt (abgesehen von den üblichen „Wegzöllen“). Gewisse Gebiete sind aber nicht zugänglich, so z.B. der Lake Sarez im Bartangtal.
Sprache:
Landessprache ist tadschikisch, russisch wird fast überall verstanden. Im Pamir wird Pamiri gesprochen, jedes Tal hat seinen eigenen Dialekt.
Anreise:
Beste Flugverbindung ist zur Zeit mit Baltic Air via Riga. Landweg: Die Verhältnisse an den Grenzübergängen wechseln häufig. Mittlerweile wieder offen und problemlos passierbar ist die Grenze zwischen Kirgistan und Tadjikistan auf dem Pamir Highway. Für Touristen gesperrt ist der übergang über den Kulma Pass nach China.
Verkehr:
Ausserhalb der Hauptstadt gibt es 3 Arten von öV: auf den wichtigsten lokalen Verbindungen verkehren regelmässig Maschutkas (Collectivos). Auf grösseren Strecken Sammeltaxis, fahren wenn sie voll sind. Entsprechend ist der Komfort. Die Frequenzen richten sich meist nach den lokalen Märkten. Wer nicht warten mag, zahlt die leeren Plätze oder mietet gleich Fahrer und Wagen, fixe km-Preise und Tagespauschale. Die Preise dafür sind recht hoch. Dank dem regen Occasionshandel mit Fahrzeugen der internationalen Hilfswerke sind mittlerweile gute Geländefahrzeuge weit verbreitet. Für Fahrten ausserhalb des Pamir-Highway ist ein 4x4 unbedingt zu empfehlen.





Tourismus:
Noch kaum entwickelt. Erste Ansätze für Trekking-Tourismus sind am entstehen, einige Trekkings um den Yashil-Kul werden kommerziell angeboten. Auch unter den (europäischen) Langstrecken-Velofahrern ist der Pamir Highway hoch im Kurs. Zunehmend ist in den Dörfern in den Haupttälern übernachtung in Homestays (=„Bed and Breakfast“) möglich.
Für Bergsteiger ist Tajikistan ein Eldorado. Im Pamir stehen 3 der 5 7000er der ehemaligen Sowjetunion. Diese werden regelmässig besucht, allen voran der Pik Lenin an der Grenze zu Kirgistan, der von vielen kommerziellen Operators angeboten wird. östlich der Grenze, auf chinesischem Territorium, sind der Muztagh Ata und der Kongur die höchsten Gipfel des Pamir. Im Zentrum des Pamir bieten riesige Gletscher und hohe, schwer zugängliche 6000er Ziele für anspruchsvolle Expeditionen. Abgesehen von den 7000-ern mit ihren fixen Basislagern ist im Land kaum alpinistische Infrastruktur vorhanden. Niedrigere Gipfel sind aus den Seitentälern z.T. besser zugänglich. Ganz im Süden ist der Peak Karl Marx ebenfalls relativ leicht zugänglich. Bewilligungen sind zur Zeit nicht erforderlich. Am besten erschlossen ist das Fangebirge ganz im Westen des Landes: schöne Trekkingtouren, viele Seen, einfache 5000-er. Einige kommerzielle Anbieter. Unter Kletterern bekannt ist die Alai-Kette an der Grenze zu Kirgistan, das Patagonien Zentralasiens, mit wilden Bigwalls. Dieses Gebiet wird aber meist von Krigistan aus angegangen, keine Infos über den Zugang von Tajikistan (Grenzgebiet!). Bergsteigen wurde in Sowjetzeiten meist wettkampfmässig betrieben und staatlich gefördert. Das heisst, je verrückter die Route, desto höher das Prestige für den Begeher und damit auch den Staat. Daher sind viele dieser Routen nicht für den Allgemeingebrauch zu empfehlen.
Nördlich von Dushanbe, entlang der Strasse zum Anzob Pass, gibt es einige, gut eingerichtete Klettergärten (Ein- und Mehrseillängen). Ein weiteres alpines Klettergebiet mit Dolomiten-Charakter liegt im Yagnob in der Zerafshan Range. Zu den dortigen Routen gilt die Bemerkung oben.
Karten:
Immer ein düsteres Kapitel in Entwicklungsgländern. Mit Abstand die besten übersichtskarten Tajikistans werden von einem Schweizer produziert. Zur Zeit die aktuellste Grundlage für Reisen, Massstab 1:500'000. Zu beziehen bei geckomaps.com. Zum Trecken helfen die alten russischen Militärkarten, gewöhnungsbedürftiges Kartenbild, meist veraltet. Beste Webseite: Pamirs.org


Foto: © Ch. Preiswerk   

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Verweise:

Galerie Album: Dushanbe - Basid

Galerie Album: Trekking Val Devloch

Galerie Album: Wakhan-Korridor – Khorog

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