© AACB, Foto: R.Vogler, Berner Alpenpanorama vom Niederhorn BE
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Foto: © Ch. Delli, Montagu, Klein Karoo  RSA


Sportkletterparadies Südafrika

Sportkletterinnen und –kletterer, die in Südafrika Herausforderungen suchen, finden diese weit verstreut über das ganze Land. Nervenkitzel garantiert: Die meisten eingerichteten Routen beginnen ab einem Schwierigkeitsgrad von 6c. Wer dazu seine Muskeln trainieren will, kann dies in einer kleinen, unscheinbaren Halle ausserhalb von Pretoria tun.

Kletterhalle „The Barn“
“Take Lynnwood Drive out of Pretoria heading towards Silver Lakes. Go past Silver Lakes and Hans Strydom Drive and take the left hand turn-off at Boschkop. Take the next left (Mooiplaats) and continue on a dirty-road for about 2km until you get a right hand turn-off to The Barn, continue another 1km and you will find it on your left. Rock-a-bye!”

Nachdem wir unsere Füsse bereits einige Wochen nicht mehr in die engen Kletterfinken gezwängt hatten, entdeckten wir mitten im Farmland ausserhalb Pretorias die Kletterhalle „The Barn“. Obwohl die Hauptstadt Pretoria 2,5 Mio Einwohner hat, war die Halle nie stark belegt. Die Kletter- und Boulderwände der Marke „Eigenbau“ versetzten uns zurück in die Pionierzeiten der Hallenkletterei und boten uns einen idealen Wiedereinstieg in unseren geliebten Sport.

Bronkhorstspruit
Eine weitere halbe Stunde östlich von Pretoria, der Hauptstrasse Richtung „The Barn“ weiter folgend, in der Nähe der Ortschaft Bronkhorstspruit, befindet sich „das“ Klettergebiet von Pretoria, Bronkies genannt.

Foto: © M. Heini, Montagu, Klein Karoo, RSA   

Hier sind um die sechzig Routen von ein- bis drei Seillängen eingerichtet. An einem Samstagmorgen im Oktober um 9h, bei kühlen 20 Grad, steigen wir an den Fuss des Felsriegels, der noch im Schatten liegt. Um diese Zeit bietet sich uns noch eine genügend grosse Auswahl an Routen in unserem Schwierigkeitsbereich. Die Bewertungen beginnen ab südafrikanischem Grad 17 (etwa 5b), steigen aber rasch auf 24 oder 25 (6c oder 7a; vgl. dazu die Umrechnungstabelle unter „The Ewbank system” ). Nach und nach treffen weitere Seilschaften aus der näheren Umgebung Pretorias und aus Johannesburg ein. Um die Mittagszeit sind die meisten Routen besetzt. Jetzt wird es uns Mitteleuropäern zu warm zum Klettern. Gegen 13 Uhr liegt das ganze Klettergebiet in der prallen Sonne, aber das scheint die Südafrikanerinnen und Südafrikaner nicht zu stören…

Table Mountain und Western Cape
Wohl am bekanntesten in Europa sind die südafrikanischen Klettergebiete am Tafelberg in der Provinz Western Cape. Wer sich etwas „off the beaten track“ wagt, stösst auf zahlreiche weitere kleine Paradiese, fernab vom Andrang am Tafelberg. Wir unsererseits finden unser Glück in und um Montagu im Kleinkaroo. Im Dezember sind die Temperaturen zwischen etwa 11h und 16h mit knapp 40°C zwar zu warm zum Klettern, aber bei Sonnenaufgang und kurz vor der Dämmerung kommen wir vollkommen auf unsere Rechnung. In der Provinz Western Cape bieten sich zudem anspruchsvolle Plattenklettereien nördlich von Paarl, nicht enden wollende Dächer in „The Silver Mine“ auf dem Peninsula Cape, Leisten in „Du Toit’s Kloof“ oder am „Hellfire Crag“ und vieles mehr.

Foto: © M. Heini, Montagu, Klein Karoo, RSA   

Swinburne
Ein völlig anderes Ambiente als in der Provinz Western Cape erleben wir etwas ausserhalb von Swinburne in der Provinz Kwa Zulu Natal, 400km südwestlich von Pretoria. Hier sucht man den touristischen Rummel des Tafelbergs vergebens: Nur ein starker Wind und hoch über unseren Köpfen kreisende Adler leisten uns Gesellschaft.

Von weither gut ersichtlich, erhebt sich der Rensburgkop mitten aus der Ebene. Rory Lowther, der Sohn der Farmersfamilie, deren Farm nördlich des „Kop“ lag, hat 2000 mit 16 Jahren begonnen, unzählige Routen an den grossen Felsblöcken am Nordfuss des „Kop“ einzurichten. An den sonnigen Nord- und Westseiten des Rensburgkop erschloss er etwa 12 Mehrseillängenrouten, wovon die eine oder andere bis auf den Gipfel führt. Die Ausrüstung der Routen ist teilweise spärlich, die Routenführung nicht immer deutlich. Es empfiehlt sich deshalb, eigene Sicherungsmittel und einen guten Orientierungssinn mitzubringen. Seit dem tragischen Unfall von Rory Lowther 2004 sind kaum noch neue Klettertouren eröffnet worden.

Die Farm unten am „Kop“ ist heute verlassen. Das umliegende Gelände ist zu einem Campingplatz, die Gebäude zu Massenlagern, Aufenthalts-, Koch- und Waschräumen umgebaut.

Chantal Delli und Manfred Heini      Oktober 2010, Brüssel


 
 
Foto: © Ch. Delli, The Barn inside   

Gut zu wissen:

Klettersaison
Ideal zum Klettern sind der Frühling und der Frühsommer von Ende Oktober bis Anfang Dezember sowie der Herbst von März bis Anfang Mai. Um Pretoria lässt es sich auch im Winter um die Mittagszeit klettern. In der Provinz Western Cape sind die Wintertag meist feucht.

Übernachtungsmöglichkeiten
Die Ferienhochsaison im Sommer dauert von Mitte Dezember bis Ende Januar. Dann sind sehr viele Reisende unterwegs, und die Übernachtungspreise steigen markant an. Günstige Übernachtungsmöglichkeiten bieten „self catering cottages“, „B & Bs“ oder auch Campingplätze (Sicherheitshinweis: Es empfehlen sich bewachte Campingplätze in Naturparks). Wer ein etwas grösseres Budget mitbringt, findet überall auch gute Möglichkeiten der oberen Preiskategorie, meist von wunderschönen Gärten umgeben und mit Swimmingpools mit erfrischendem Wasser.

Distanzen
Die Dimensionen des Landes sollten nicht unterschätzt werden. Von Cape Town nach Pretoria sind es gut 1400km. Inlandflügen sind ausserhalb der Hochsaison günstig (Johannesburg <-> Cape Town kostet in etwa CHF 180.-). Die allermeisten Klettergebiete lassen sich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

Informationen
Die aktuellsten (und meist auch einzigen) Angaben zu Klettergebieten finden sich im Internet (siehe Verweise unten). Ausser dem Kletterführer Western Cape (erhältlich bei Piz Berg und Buch) sind Beschriebe in Buchform schwierig erhältlich. Der Führer Swinburne mit dem Rensburgkop ist (jedenfalls 2010) bei Ansie in Harrismith erhältlich (082 926 1155, ev. bereits vor der Hinreise nachfragen).



  Foto: © M. Heini, Rensburgkop,Swinburne, RSA

Nicht verpassen
Wir empfehlen, für Kletterferien drei Wochen einzuplanen (oder besser mehr…!). Als Abwechslung zum Klettern lohnen sich Besuche in einem der vielen, gut geführten South African National Parks oder in privaten Game Reserves. Und natürlich sollten bei einem Aufenthalt in der Provinz Western Cape Weindegustationen (zb. Creation Wines) oder auch ein Ausflug auf Robben Island nicht zu kurz kommen.

Foto: © Ch. Delli, Rensburgkop, Swinburne, RSA

   Foto: © M. Heini, The Barn, Pretoria, RSA    © by www.climbing.co.za  

Verweise:

Galerie

SA climbing info network

Climb ZA

Kletter-Grad Tabelle

"The Barn"

South African National Parks

Creation Wines

Robben Island

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